„Der Modesalon des Glücks“ – Eva Ibbotson

Das Buch in einem Satz: Ein Jahr im Leben von Susanna und all die Menschen rund um ihre Schneiderei im Wien des Jahres 1911.

Lesenswert, weil der Roman quasi das Tagebuch von Susanna darstellt und es hier eine Menge Klatsch und Tratsch zu erfahren gibt.

Für alle, die den Roman „Und Wien leuchtete“ mögen und in die Kaiserstadt zurückreisen möchten.

Am Madenskyplatz in Wien führt Frau Susanna 1911 ihren mondänen Modesalon. Jeden Morgen schaut sie aus dem Fenster auf den Platz und auf das Leben seiner Anwohner:innen. Der Roman entspricht ihrem Tagebuch, in dem sie ein Jahr lang festhält, für wen sie wunderbare Kleider anfertigt und was sie über diese oder jene Person noch so erfährt.

Als Leser:in wird man Teil dieses Alltags an einem belebten Platz, wo man so einiges über die Affairen von verheirateten Männern erfährt – genau wie über diese sogenannten Schattenfrauen. Man nimmt am Leben der Familie von gegenüber teil, bei der nun schon wieder eine Tochter geboren wurde, wo doch der Stammhalter sehnlichst erwartet wird. Die junge anarchistische Direktrice der Schneiderei, deren Kampfkleidung durchaus mal die schicken hohen Stilettos sind, erwärmt das Herz genau wie der talentierte, sehr junge Pianist, der seine Melodien über den Platz wehen lässt.

Dabei steht Susanna selbst im Zentrum des Geschehens, wenn sie nämlich hier und dort die Fäden in die Hand nimmt und ein wenig Schicksal spielt. Auch ihre heimliche Affäre zu einem kaisernahen Feldmarschall spickt den Roman mit allerlei pikanten und sehr unterhaltsamen Details.

Es war ein Genuss, diesen Roman zu lesen und dabei in die Zeit von Kaiser Franz Joseph einzutauchen, in dem der Rang von Personen eine wichtige Rolle spielte und es noch Duelle gab. Aber gerade das Geplauder aus dem Nähkästchen von Susanna macht den Charme dieses Buches aus und lädt zu einer kleinen Zeitreise in die Vergangenheit ein.

Viel Vergnügen wünscht
Eure Anja