„Die Frau im Zug“ – Ethel Lina White

Das Buch in einem Satz: Während einer Zugfahrt lernt Iris eine andere junge Frau kennen, die plötzlich verschwunden ist – und die niemand überhaupt im Zug gesehen haben will.

Lesenswert, weil man die ganze Zeit zwischen Überzeugung und Zweifel bis zuletzt hin- und hergerissen ist.

Für alle, die einen klassischen Whodunit mögen und mal wieder einen Zugroman lesen möchten.

Egal ob Hotel-, Schiff- oder eben Zugromane – ich liebe es, wenn es einen begrenzten Personenkreis gibt, den man Stück für Stück näher kennenlernt. Noch spannender wird es natürlich, wenn etwas in diesem begrenzten Kosmos passiert.

In diesem Roman begleiten wir Iris Carr, die sich getrennt von ihren Freundinnen, auf die Rückfahrt aus dem Urlaub macht. Gerade noch hat sie den Zug erwischt und lernt in einem vollen Abteil Miss Froy kennen. Nach einem gemeinsamen Tee ruht sich Iris aus und muss nach einem kurzen Schläfchen erschrocken feststellen, dass Miss Froy verschwunden ist; und nicht nur das: Die Mitreisenden leugnen, dass es diese andere junge Frau überhaupt gegeben hat.
Hilfesuchend wendet sich Iris an zwei Professoren, die gemeinsam mit ihr andere Mitreisende befragen. Doch selbst Menschen, die eindeutig Iris mit Miss Froy gesehen haben, verschweigen dies aus für sie völlig klaren Gründen. Ist hier ein Verbrechen geschehen? Oder hat Iris etwas falsch verstanden?

Als Leser:in begleitet man nur die Hauptfigur Iris und weiß nur das, was sie meint zu wissen. Zwischendurch hatte ich meine Zweifel an ihr, denn die Argumente der anderen Mitreisenden waren schlüssig – und gleichzeitig auch nicht. Eigentlich ist der Roman eine großartige psychologische Studie, denn wirklich jede:r hat Geheimnisse und nicht alles kann man offen auf den Tisch legen.

Raffiniert erzählt und sehr spannend aufgebaut hat mir dieser Zugkrimi richtig gut gefallen. Übrigens starb die Autorin bereits 1944 und der Roman wurde von Alfred Hitchcock als „Eine Dame verschwindet“ ziemlich gut verfilmt.

Viel Vergnügen auf dieser spannenden Fahrt.

Eure Anja