„Die Polarfahrt“ – Hampton Sides

Das Buch in einem Satz: Ein exzentrischer Zeitungsverleger stellt 1880 eine Polarexpedition auf die Beine, die die unbekannten Flecken rund um den Nordpol erkunden soll.

Lesenswert, weil die erste Hälfte des Buches ein unterhaltsames Gemälde der damaligen Zeit ist und die zweite Hälfte die abenteuerliche Expedition selbst schildert.

Für alle, die sich gern mit Geschichte befassen, diese aber lieber spannend erzählt genießen statt in einem trocknen Sachbuch.

Früher dachten die Menschen, der Nordpol wäre der Eingang in die Hohlwelt oder in die Hölle oder dass sich unter all dem Eis riesige Schätze verbürgen, bzw. dass dort dank eines warmen Stromes ein mildes Polarmeer mit üppiger Flora & Fauna anzutreffen sei. Im ausgehenden 19. Jahrhundert gab viele solcher Theorien, da die Kartographierung des Nordpols große blinde Flecken aufwies.

Es gab bereits einige Expeditionen an Grönland vorbei Richtung Norden. Den Weg über die Beringstraße jedoch wollte nun der junge, ehrgeizige Kapitän DeLong auf der U.S.S. Jeanette wagen – und zwar gemeinsam mit dem als exzentrisch geltenden James Gordon Bennett jun. Dieser war ein vermögender Zeitungsverleger und finanzierte als einer der ersten eine solche Expedition privat.

Das Buch erzählt gut recherchiert und auf sehr packende Weise von der Zeit und der Generation, die in Amerika auf die Helden des Bürgerkriegs folgte, dem Drang, sich auch beweisen zu wollen; von technischem Fortschritt und Menschen, die beispielsweise im winzigen Gotha in Deutschland die weltbesten Karten hergestellt haben. Man taucht sofort ein in das damalige Geschehen und lernt peu á peu die Mannschaft kennen, die der Zeitungsverleger und sein Kapitän zusammenstellen, um ins Unbekannte aufzubrechen.

Das Schicksal der U.S.S. Jeanette wird dann ab der zweiten Hälfte erzählt: die dramatischen Entwicklungen so hoch im Norden, gefangen im Eis und einem erbitterten Überlebenskampf ausgesetzt.
Es gibt nicht eine einzige langweilige Seite in diesem Buch! Es steckt so viel Wissen und Dramatik auf den 579 Seiten, dass man das Buch wirklich nur schwer zur Seite legen kann.

Eure Anja